Rückblick auf 200 Jahre Mäulesmühle

Rückblick auf 200 Jahre Mäulesmühle
veröffentlicht: 06.06.2019

Beim Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag wird die Stadt als Besitzerin der Mäulesmühle mit einer kleinen Ausstellung an „200 Jahre Mäulesmühle“ erinnern. Die Ausstellung, zusammengestellt vom Stadtarchiv, wird von Bürgermeister Dr. Kalbfell um 12 Uhr eröffnet.

Denn 1819 wurde das heutige zweistöckige Fachwerkhaus erbaut. Der Mühlenstandort selbst ist viel älter: Die auf Musberger Markung gelegene dritte Mühle im Reichenbachtal findet zusammen mit sechs weiteren Mühlen erstmals eine Erwähnung im Schönbuchurbar (1383) als „Ruedgers Muhlin“. Danach hieß sie nach den wechselnden Besitzern Stierlinsmühle, Jochamsmühle oder Metzgersmühle. Die heutige Namensgebung geht auf die Besitzer ab 1694 zurück, die Familien Maylin, Maylen oder auch Mayle. Aus Mayles Mühle wurde im Laufe der Zeit die Mäulesmühle. Der völlig verschuldete Johann Georg Maylen musste die Mühle 1764 verkaufen. Danach gab es häufige Besitzerwechsel.

1805 waren Johann Georg Burkhardt und Georg Friedrich Walter Besitzer der Mühle. Sie ließen sie 1819 neu aufbauen, an den Türstürzen der Eingänge zum Mahlraum werden beide als Baumeister bezeichnet. Es entstand ein großes Wohnhaus für zwei Familien mit einem Arbeitsraum für den Müller. Dieser beherbergte zwei Mahlgänge (Schrot- und Weißgang) sowie einen Gerbgang. Hinzu kamen Ställe, Scheuern, Wagenschopf und Backhaus.

Ab 1857 war Johann Georg Graf bis zu seinem Tod im Jahr 1896 alleiniger Besitzer. Bis 1929 teilten sich Michael Graf und Karl Friedrich Walter den Besitz je zur Hälfte. Ab 1929 ist Wilhelm Graf der alleinige Besitzer. Nachdem er aus gesundheitlichen Gründen 1945 den Mahlbetrieb eingestellt hatte, verfiel das Mühlgebäude zusehends. 

1961 erwarb die Gemeinde Leinfelden die Mühle. Zu dieser Zeit war Gustav Egler Bürgermeister von Musberg und Leinfelden. Aber erst 1978 fasste der Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen den Beschluss, die Mühle von Grund auf zu sanieren, denn das Mahlwerk aus dem Jahr 1819 war und ist eines der besterhaltenen in Württemberg. Doch die Finanzlage der Stadt war schlecht, und so wurde das teure Projekt zurückgestellt.

1985 wurde bei einer Bauuntersuchung die schlechte Bausubstanz und Fundamentierung festgestellt. So wurde die Mühle gänzlich abgetragen und neu aufgebaut, wobei das ursprüngliche Material zum Teil wiederverwendet wurde. Eine Pfahlgründung mit Betonpfeilern ist nun das tiefgründende Fundament im morastigen Boden. Die noch gut erhaltene Mühleneinrichtung wurde restauriert. 1988 wurden Mühlenmuseum und Gaststätte eingeweiht.

Seither ist die Mäulesmühle ein beliebtes Ausflugsziel. Gruppenführungen gibt es auch für Kindergärten und Schulen, und der Gaststättenpächter bietet Backen für Kinder an. Bundesweit bekannt wurde die Mäulesmühle durch die TV-Sendung „Hannes und der Bürgermeister“: das Mundarttheater in der neben der Mühle liegenden Komede-Scheuer.

Seit ein paar Jahren führt die Junge Akademie Stuttgart hier außerdem das immer gut besuchte Erlebnistheater „Krabat“ auf. Eindrucksvoll kam das Mühlen-Mahlwerk auch bei „Krabat“ mit dem Stuttgarter Ballett zur Wirkung: Mit 16 Mikrofonen war der „Mühlensound“ aufgezeichnet worden, der dann düster durch das Große Haus der Württ. Staatstheater dröhnte. 

> Programm zum Deutschen Mühlentag, Pfingstmontag, 10.6.2019
 

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