Konzeption „Gründungsfreundliche Kommune“ wird weiterentwickelt

Konzeption „Gründungsfreundliche Kommune“ wird weiterentwickelt
veröffentlicht: 21.04.2022

Wie schafft man es, neuen und innovativen Firmen in Leinfelden-Echterdingen eine Heimat zu geben? Mit dieser Frage hatte sich der Gemeinderat vor rund einem Jahr beschäftigt und die Stadtverwaltung beauftragt, die Konzeption „Gründungsfreundliche Kommune“ weiterzuentwickeln.

Denn eines ist klar: LE steht – wie andere Kommunen in der Region Stuttgart – in den kommenden Jahren ein gewaltiger Strukturwandel bevor. Das betrifft beispielsweise ganz direkt die Autoindustrie mitsamt der Zulieferer, aber natürlich auch die gesamte Wirtschaft. Denn für das Ziel, den Klimawandel abzufedern, muss der Ausstoß von Kohlendioxid deutlich verringert werden. „Es ist zu erwarten, dass lange nicht alle Unternehmen den Strukturwandel in der jetzigen Struktur überstehen werden“, sagt die städtische Wirtschaftsfördererin Angelika Goldak. Der Wirtschaftsstandort steht vor Veränderungen. „Wir müssen den Rahmen dafür schaffen, dass neue Unternehmen entstehen können und bestehende Firmen Impulse für Ideen und Innovationen erhalten“, ergänzt sie.

Oberbürgermeister Roland Klenk hatte in der Vergangenheit immer wieder auf die Bedeutung der örtlichen Unternehmen für die Stadt hingewiesen, die mit ihren Gewerbesteuerzahlungen die Grundlage für den hohen Lebensstandard in LE schaffen. Unternehmen, die heute gegründet werden, werden in aller Regel frühestens in fünf bis acht Jahren zu Stützen eines Standorts, wenn sie überhaupt so weit kommen. Es ist deshalb für einen Standort wie Leinfelden-Echterdingen notwendig, eine gewisse Anzahl an Unternehmen in der „Pipeline“ zu haben. Auch neue Geschäftsfelder in etablierten Unternehmen lassen sich in aller Regel nicht innerhalb von Monaten entwickeln, sondern benötigen mehrere Jahre Vorlauf.

Ein wichtiger Baustein der „Gründungsfreundlichen Kommune“ ist die Einrichtung eines Gründerzentrums. Es kann ein wichtiger Impulsgeber für eine neue Generation von Unternehmerinnen und Unternehmern sein. „Eine solche Generation wiederum ist die Basis für einen Geist des Aufbruchs, der Gestaltung von Neuem sowie zukunftsfähigen Werten im Rahmen einer nachhaltigen Wirtschaftsstruktur“, sagt Goldak. Eine Rolle spielen dabei auch die Universitäten und Forschungseinrichtungen in der näheren Umgebung. Denn aus der Forschung heraus entstehen oft innovative Ansätze, die schließlich in neue Produkte und den Aufbau neuer Unternehmen münden können. So übersteigt beispielsweise an der Uni Hohenheim die Nachfrage nach Räumen für Start-ups das Angebot, LE könnte hier in die Bresche springen und würde ohne eigene Universität ein eigenes Gründungszentrum mit Hochschulanbindung bekommen.

Im Juni vergangenen Jahres war ein ehemaliges Gewerbegebäude am Immergrünweg in den Fokus gerückt. Mittlerweile hat sich jedoch herausgestellt, dass es nicht als Standort für ein Gründerzentrum geeignet ist. Grund dafür sind die hohen Kosten, um die Räumlichkeiten auf einen passenden Stand zu bringen. Diese hätten vermutlich zwischen 2,2 und 2,4 Millionen Euro betragen, ein Zuschuss vom Land war nicht in Sicht. Nach Worten der städtischen Wirtschaftsförderin Angelika Goldak wäre denkbar, auf dem ehemaligen Renault-Gelände am östlichen Ortsrand von Echterdingen ein Gründerzentrum einzurichten. „Dort könnte in Container- oder Leichtbauweise zuerst ein kleines Zentrum entstehen, welches bei steigendem Bedarf sukzessive vergrößert würde. Ein solches Vorgehen könnte das Risiko der Stadt minimieren. Denn klar ist auch: Wenn es nicht gelingt, ein funktionierendes Ökosystem um das Gründungszentrum herum zu entwickeln, wird seine Wirkung weitgehend verpuffen.

Von den Stadträten kam kürzlich bei der Sitzung des Technischen Ausschusses viel Zustimmung. „Wir tun gut daran, das Thema voranzutreiben“, sagte Jens Zellmer. Der SPD-Stadtrat stellte die Frage, ob man überhaupt eine Machbarkeitsstudie brauche oder das dafür notwendige Geld gleich in die Umsetzung stecken könne. Dieser Idee hatte auch Jürgen Kemmner, der das Projekt am liebsten gleich beschließen wollte. „Von uns kommt volle Unterstützung“, so der Fraktionsvorsitzende von L.E. Bürger/DiB. Auch Ilona Koch sprach sich dafür aus, ohne eine Studie gleich loszulegen. Nach Worten der CDU-Fraktionschefin würde die Strahlkraft des Gründerzentrums weit über die Region hinausreichen. „Wir brauchen mehr Dynamik und müssen die Kräfte bündeln“, so Koch. Konrad Pfeilsticker (Grüne) unterstützte den Plan, das Unternehmertum zu fördern. Gleichzeitig kritisierte er das zu langsame Tempo, „wir müssen schneller werden“, so der Stadtrat. Seiner Ansicht würden Krisen die beste Voraussetzung für Innovationen bieten.

Studie für Gründerzentrum als wichtiger Baustein. Am Vorschlag der Stadtverwaltung, für den Aufbau eines Gründerzentrums auf dem Renault-Gelände eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, wurde am Ende mit einem einstimmigen Beschluss jedoch festgehalten. „Es soll dabei nicht nur um die Machbarkeit gehen, sondern auch um ein Konzept, wie ein Gründerzentrum gestaltet werden kann“, sagt Goldak. Untersucht würden auch andere Standorte, um eine bessere Entscheidungsgrundlage zu bekommen. Für eine solche Studie hatte auch Daniel Ludin geworben. „Wir sollten nicht einfach loslegen, sondern vorher ein Konzept als Rahmen erstellen“, riet der Vorsitzende der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung LE. Denkbar seien auch die Nutzung von Bestandsgebäuden, aber mit Containern auf dem Renault-Gelände sei man flexibel. „Wichtig ist, dass wir möglichst bald loslegen“, so Ludin.

Meldung Stadt Leinfelden-Echterdingen / 21. April 2022

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