Ausstellung verlängert: "Entenhausen war in Stetten - 70 Jahre Ehapa-Verlag Deutschland"

Ausstellung "Entenhausen war in Stetten - 70 Jahre Ehapa-Verlag Deutschland"
veröffentlicht: 10.10.2021

Die Besucher dürfen sich freuen: Wer bisher noch keine Möglichkeit hatte, einen Blick auf die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum „Entenhausen war in Stetten – 70 Jahre Ehapa-Verlag Deutschland“ zu werfen: die Ausstellung wird verlängert bis 19. Dezember 2021. So können in aller Ruhe die ausgestellten seltenen Comic-Originale aus dem Bestand des Stadtarchivs, die Comic-Karten-Schätze des Deutschen Spielkartenmuseums oder die tollen Sammelobjekte von Martin Wacker aus Karlsruhe zu seinem Comic-Liebling Donald Duck bewundert werden. Und natürlich lohnt sich der Besuch im Geldspeicher von Dagobert Duck – der reichsten Ente der Welt – der dort seine Goldtaler bewacht.

  • Stadtmuseum LE - Hauptstraße 79 (Echterdingen)
  • Ausstellungsdauer 16.05. - 19.12.2021
  • Öffnungszeiten Sonntags 10:30 - 12:30 und 14:30 - 17:30 Uhr
  • Eintritt frei
  • Virtueller Rundgang

Öffentliche Führung durch die Ausstellung im Stadtmuseum: „Ach, Geld! Es ist mir ein Hochgenuss, wie ein Seehund hineinzuspringen und wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen und es in die Luft zu schmeißen, dass es mir auf die Glatze prasselt!“. So äußert sich Dagobert Duck, die reichste Ente der Welt. Und das in der Geschichte „Der arme reiche Mann“, die 1952 in den USA und 1954 in Deutschland veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit konnte der Ehapa-Verlag, der die deutsche Micky-Maus-Hefte herausgab, gerade mal auf drei Existenzjahre zurückblicken. Und es sollte eine erfreuliche Zukunft werden. Denn das zuerst monatlich erscheinende Heftchen konnte ab 1956 14-tägig und ab Dezember 1956 sogar schon wöchentlich herausgegeben werden. >> Das und noch andere Dinge erfahren Sie bei einer Führung im Stadtmuseum LE am Sonntag, 17. Oktober 2021 und 21. November jeweils um 15 Uhr.

>>> Reportage zur Ausstellung in der aktuellen viaLE Ausgabe - Seite 41  > digitales Blättermagazin
>>> Beitrag zur "Donald Sammlung" | SWR Landesschau 26.05.21 (ab Minute 23:20 bis 25:00)

Ein unbeugsames Dorf auf den Fildern „Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen …“ Diesen Texteinstieg, der in allen Asterixbänden erscheint, kennen und lieben die Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder seit dem ersten Erscheinen des Galliers Asterix im Jahr 1968. Damals hatte Adolf Kabatek, der langjährige Geschäftsführer des in Stetten beheimateten Ehapa-Verlags, die Verlagsrechte erworben. Als nun nach 35 Jahren in der Waldeinsamkeit „Im Riedenberg“, neben dem weit sichtbaren Radarturm, im Jahr 2000 das Leben wegen des anstehenden Umzugs nach Berlin zu Ende zu gehen schien, fühlten sich alle Verlagsmitarbeiter und –mitarbeiterinnen weitab vom Trubel in dieser idyllischen Waldeinsamkeit wie die Einwohner des gallischen Dorfes. Sie gingen damals auf die Straße und protestierten lauthals über diese Ungerechtigkeit – so ihre Sichtweise. „Asterix braucht keine Berliner Luft“ hieß es da auf den Transparenten, oder „Stell Dir vor, EHAPA geht nach Berlin und keiner geht mit“ oder „Wir sind keine Duck-Mäuse“ oder „Ich glaub, die spinnen, die Unternehmer!“ „Grr - Keuch – Spotz“, „Entenhausen bleibt in Stetten“ und „Wir gehen in die Luft!“ konnte man auf anderen Transparenten lesen.

Genutzt hat dies alles nichts, so wie auch der Protest der Stadt Leinfelden-Echterdingen und vieler seiner MitbürgerInnen gegen einen unerwünschten Bau – die Messe. Sie Planungen hierfür gingen bis ins Jahr 1993 zurück. Damals wurde die Fildergegend als bester Messestandort ausgelobt. Erste Verhandlungen folgten 1996; 1998 wurde das Landesmessegesetz vom Landtag B-W verabschiedet. Filderbauern, Naturschützer und viele Bürgerinnen und Bürger wehrten sich jahrelang vehement gegen den Messebau und gegen die Versiegelung des wertvollen Filderbodens. Die meisten Gemeinderäte und die Stadtverwaltung sahen sich in der Rolle des unbeugsamen Gallierdorfes, als unbeugsames Dorf auf den Fildern. Doch es kam anders. Im September wurde mit dem Messebau begonnen, im Oktober 2007 folgte die Einweihung.

So ähnlich erging es dem Ehapa-Verlag, an dessen 70-jähriges Bestehen die Stadt Leinfelden-Echterdingen mit ihrer aktuellen Ausstellung erinnern wollen. Und wer wäre da nicht prädestinierter als das Stadtarchiv. Wer schon einmal die Möglichkeit hatte, das gut gefüllte Magazin unseres Stadtarchivs zu sehen, der wird erstaunt darüber gewesen sein, dass darin 80 laufende Meter mit Comic und Zeitschriften des Ehapa-Verlags gefüllt sind. Der Grund ist schnell erläutert: Als sich die Verlagsführung des Ehapa Verlags im Jahr 2000 zu einem Umzug nach Berlin entschlossen hatte, wurde das Stadtarchiv gebeten, die vielen alten und neuen Zeitschriften und Comics des Verlags zu ordnen, zu katalogisieren und für den Umzug zu verpacken. Im Gegenzug dafür erhielt das Stadtarchiv die Dubletten der vorhandenen Comics und Zeitschriften. Somit lagern heute in unserem Stadtarchiv Ehapa-Produkte von 1955 bis 2001. Somit können wir nun „aus dem Vollen schöpfen“ und zeigen viele schöne und seltene Originale in unserer Ausstellung. Für unsere Ausstellung im Stadtmuseum hat der Verlag dankenswerterweise mehrere Displays oder Präsentationsboxen in Form eines Schiffs, eines Strandkorbs oder eines Koffers – ideal für die kommende Sommer-Ferienzeit – gefüllt mit vielen LTB (= Lustige Taschenbücher) zur Verfügung gestellt. Dazu noch eine kleine Auswahl von heutigen Werbemitteln des Verlags.

Damit die Ausstellung aber nicht zu flachwarenlastig wird, präsentieren wir Ihnen viele Objekte aus der Privatsammlung des Donald-Duck-Sammlers Martin Wacker aus Karlsruhe. Neben seinem Liebling Donald Duck hat er u. a. Objekte zu dessen Onkel Dagobert, der „reichsten Ente der Welt“, gesammelt, und wir zeigen sie an einem ganz besonderen Platz. Es ist der alte, begehbare Tresor der ehemaligen Echterdinger Sparkasse. Denn das Museumsgebäude war von 1937 bis 1968 das Echterdinger Sparkassengebäude (vgl. Türsturz über dem Eingang). Der ehrenamtliche Museumsleiter Wolfgang Haug hat sich mit einem kleinen Kreativteam, unter Anleitung des ehemaligen Ehapa-Redakteurs Wolfgang Berger, viele Gedanken gemacht und den Tresorraum nun zu einem sehenswerten „Duck‘schen Geldspeicher“ umgestaltet.

Erinnern wollen wir aber auch an herausragende Persönlichkeiten des Verlags. So an die erste Redakteurin des Verlags und „Rewriterin“, Dr. Erika Fuchs, die viele Comics, vor allem von Carl Barks, ins Deutsche übersetzte. Sie ist die Erfinderin oder Weiterentwicklerin des „Inflektivs“, den schon Wilhelm Busch immer wieder gern benutzte. „Ächz“, „stöhn“ oder „grummel“ sind solche Inflektive, die zu Ehren von Frau Fuchs scherzhaft „Erikativ“ genannt werden. Zum anderen erinnern wir an den „Redakteur der ersten Stunde“ und langjähriger Geschäftsführer Adolf Kabatek. Als interessanten Punkt im Begleitprogramm zu dieser Ausstellung konnten wir seinen Sohn, Prof. Dr. Johannes Kabatek, gewinnen, der in Zürich als Ordentlicher Professor für Romanische Philologie mit besonderer Berücksichtigung der iberoromanischen Sprachwissenschaft seine Seminare abhält. Er berichtet in einem Vortrag über seinen Vater Adolf Kabatek, über den Verlag Ehapa und über die Comics in Deutschland. Im Gerlinger Stadtmuseum hat er gemeinsam mit der Museumsleiterin Christina Vollmer eine Ausstellung zum 90. Geburtstag von Adolf Kabatek gestaltet.

Und auch das Deutsche Spielkartenmuseum beteiligt sich erfreulicherweise mit speziellen Comic-Spielkarten an dieser Ausstellung. Es war für das DSM gerade nicht möglich, an die eigenen Bestände zu gelangen, wird doch gerade die Schönbuchschule, in dem sich das Spielkartenmuseum befindet, aufwendig saniert. Dennoch sind in der Ausstellung drei Vitrinen zu sehen, in der sich neben Neuzugängen auch Leihgaben des Sammlers Dr. Stolzenburg befinden.

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